Rom-Tagebuch, Tag 10: Abreise und ein kleines Rom-Fazit

Die Schilderungen über unseren Abreisetag kann ich sehr kurz halten. Viel ist nicht passiert. Ich war begeistert, dass der Transfer-Shuttle zum Flughafen mit satten 10 Sekunden (!!!) Verspätung losgefahren ist. Wo doch den mediterranen Menschen immer so eine larifari-komm-ich-heute-nicht-komme-ich-morgen-Mentalität zugeschrieben wird. Stellt sich raus: der Bus fuhr weitaus pünktlicher als Tage später meine Deutsche Bahn, mit der ich ins Büro pendel. Nun denn, so weit, so bekannt. Wir waren viel zu früh am Flughafen und ich konnte noch stundenlang lesen – wozu ich während des Urlaubs eigentlich gar nicht gekommen bin.
Der Flug war ideal Standard, unsere Koffer konnte ich sehr fix vom Kofferband fischen, nur die Fahrt mit dem nächsten Transfer-Bus zu unserem Parkplatz hat ein wenig gedauert, da der Bus nur alle 30 Minuten fährt.

Addio Roma!

Auch die Heimfahrt erwies sich als sehr entspannt, schließlich sind an einem späten Sonntagabend nicht allzu viele Leute auf der Autobahn unterwegs. Erwähnenswert war dann noch der halbjährliche Besuch in einem McDonalds-Restaurant kurz vor Mitternacht, in dem wir erstmals unsere Bestellung per Touchscreen und Kreditkarte geordert hatten. I see the future! Tja, um 2:30 Uhr waren wir wieder zuhause, wurden von der Katze nicht wirklich herzlich willkommen gehießen und fielen fix erschöpft ins Bett.

Und da es nicht so wirklich viel über diesen Tag zu schreiben gibt, will ich noch mal ein Resümee unserer Reise ziehen.

Es hat sich als gut erwiesen, auch für eine Städtereise mal ein paar Tage mehr einzuplanen als nur ein verlängertes Wochenende. Das hat uns ziemlich von dem Stress befreit, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel sehen und erleben zu müssen. Beim nächsten Städte-Trip will ich mich gern wieder daran orientieren. Entspanntes in den Tag starten liegt mir eh mehr als das ambitionierte Abhaken von Sightseeing-Checklisten.

Vor Beginn der Reise war ich von Rom als Reiseziel ja nicht so überzeugt, einfach weil Rom für mich keinen wirklichen Reiz hat. Ich bin eher ein Freund solch pulsierender Städte wie London oder New York, jenen Städten, die weltweite Trends setzen, das Leben auf der ganzen Welt beeinflussen. Rom war und ist für mich eher eine geruhsame Stadt, die sich auf dem ausruht, was sie seit Jahrhunderten zu bieten hat: imposante antike Gebäude und hunderte schöner Kirchen. Klar, ist auch schön, hat mir auch gut gefallen und allein schon wegen meines rührenden Moments beim Anblick des Petersdoms von innen, möchte ich diese Reise nicht missen und werde sie auch nicht vergessen. Michi war kaum zuhause, da plante sie schon fast wieder den nächsten Urlaub in Rom. Ich bin da eher zurückhaltend. Ich für meinen Teil habe das Gefühl, dass ich vieles von dem, was mich an Rom interessiert, in den vergangenen zehn Tagen gesehen habe. Bei mir setzte irgendwann die Übersättigung ein und ich könnte mir erst mal nicht vorstellen dort wieder hinzufliegen, um mir die nächste Handvoll Kirchen anzusehen.

Bevor wir nach Rom geflogen sind, habe ich mich fast ein wenig über Michi lustig gemacht, die sich anscheinend hauptsächlich auf die Besuche auf den römischen Märkten zu freuen schien. Von Kolosseum und Vatikan war kaum die Rede, aber diverse Besuche auf unterschiedlichen Märkten waren schon fest geplant. Stellt sich raus: das ist vermutlich das, was mir in Rom am besten gefallen hat. Das Essen! Bellissima! Die Salami schmeckt da echt noch mal anders als die “Delicato Bella Italia” aus dem heimischen Supermarkt. Vom echten Büffel-Mozzarella gar nicht zu sprechen. Sicherlich das übliche Reise-Phänomen: Guinness schmeckt auch am besten in einem Pub in Dublin.

Hatte ich schon mal das leckere Eis erwähnt? Auch wenn es nie das ausgefallene Luxus-Menü gewesen ist: lecker war das Essen in Rom immer. Bewusstes Genießen stand auf dem Programm. Und wenn Michi das nächste Mal vielleicht mit ihren Eltern die Kirchen Roms unsicher macht, schlendere ich dann über die Märkte und kaufe Frisches ein.

Unsere Unterkunft war echt chic und sehr sauber, unser Gastgeber auch sehr nett und gut erreichbar, aber das nächste Mal muss es dann doch nicht wieder ein 150 m²-Loft sein, denn den Platz haben wir nie wirklich genutzt. Klar war es schön wenn man zum Servieren des Abendessens erst mal quer durch den großen Raum laufen muss – für einen stinknormalen Touristen war das aber viel Chi-Chi mit wenig echtem Nutzen. Aber: es war ja ein Geschenk zu einem runden Geburtstag, da geht so eine pompöse Butze schon voll klar.

Nächste Erkenntnis: Rom ist gar nicht der “kriminelle Sumpf”, als der er mir vor der Reise immer dargestellt wurde. Man solle immer möglichst wenig Dinge bei sich haben, denn sonst steht man ehe man es sich versieht auch in der langen Schlange vor einer Polizeiwache, in der dutzende Touristen ihre geklauten Wertsachen beklagen. Klar, wir waren immer sehr vorsichtig und hatten möglichst wenig dabei, Michi hat jederzeit im Gedränge sehr gut auf ihre Handtasche aufgepasst, aber so richtig unsicher habe ich mich da zu keiner Zeit gefühlt. Nicht einmal in den Abendstunden.

Eine echte Empfehlung für Reisen in jegliche Städte ist sicherlich so eine kulinarische Stadtführung, wie wir sie mitgemacht haben. Vielleicht hat man nicht immer das Glück, dass man mit so einer jungen und entspannten Truppe unterwegs ist, wie wir es waren, aber ich mochte diesen Mix aus Informationen von Einheimischen und hier und da mal ein wenig was verkosten. Das hat mir schon in Lübeck sehr gut gefallen. Vor allem: man lernt nicht nur die heimische Küche kennen, sondern lernt auch gleich noch ein paar nette Läden.

Wie oft hatte ich schon folgende Situation: man ist auf City-Tour, bekommt langsam Hunger und sucht nach einem Bistro oder Restaurant. Das erste ist blöd, weil zu voll; das nächste in blöd, weil zu leer (hat sicher einen Grund!), beim dritten findet sich nichts passendes auf der Speisekarte und beim vierten merkt man, dass es eigentlich nur ein kleiner Snack sein sollte. Da ist es gut durch so eine kulinarische Stadtführung ein paar Ankerpunkte zu kennen, die man dann schon besucht hat und wo man weiß, was es dort gibt. Deswegen würde ich so eine Tour auch zukünftig immer zu Beginn eines Städte-Urlaubs planen.

Alles in allem war Rom für mich ein toller Urlaub, der mich oftmals überrascht hat und den ich in schöner Erinnerung behalten werde. Wir haben viel gesehen und erlebt, haben der Hitze getrotzt, uns dann aber wenn’s gar nicht mehr ging auch keinen Stress machen müssen. Wenn man zehn Tage zur Verfügung hat, dann kann man auch mal am späten Nachmittag wieder in der Unterkunft aufschlagen und den Rest des Abends gemütlich “zuhause” verbringen.

Und da eine Münze im Trevi-Brunnen gelandet ist und in Rom nun mal das beste Eis hergestellt wird, wird es mich sicherlich irgendwann mal wieder nach Rom ziehen…

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