Das neue Pendler-Leben

Nach nunmehr fast 25 Jahren im Job musste ich mich in dieser Woche einer sehr einschneidenden Veränderung stellen. Ein Leben lang fuhr ich mit dem Auto zur Arbeit. In der schlimmsten Zeit 100 Kilometer täglich, zweimal durch Hannover durch. In der letzten Zeit jeden Tag 60 Kilometer.

Und jetzt? Jetzt hat sich mein Arbeitsort direkt in die City von Hannover verlagert. Fünf Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt sitzen wir nun in einem frisch sanierten Büro, irgendwo zwischen C&A und Postbank-Gebäude. Und damit stand für mich dann fest: den Stress mit dem Auto werde ich mir da nicht geben!

Anfangs hatte ich gedacht, ich würde erst mal mit dem Auto anfangen, sehen wie es ist und dann vielleicht auf die Bahn wechseln. “Wenn dann erst mal 2019 die Umgehungsstraße fertig ist, brauche ich auch nicht mehr durch die Vororte zu dödeln.” Aber inzwischen ist in mir der Gedanke gereift, dass die Bahn die sinnvollere Alternative ist. Kein Stau – kein Stress. Oder?

Nun ja. Stress hatte ich schon. Denn bisher war ich das Zugfahren einfach nicht gewohnt. Während andere in ihren 25 Dienstjahren jeden Tag mit Zug und Bus zur Arbeit gekommen sind, war der Zug für mich bisher nie das Reisemittel der Wahl. Was für andere selbstverständlich ist, ist für mich bisher eine Welt mit sieben Siegeln gewesen. Ein typischer Fall von “Alle können das – außer mir!”.

Also fing ich an, mir die Vorteile des Bahnfahrens vor Augen zu führen:

Der wichtigste: auf dem Weg nach Hause brauche ich mir nie die Frage stellen, auf welcher Straße ich denn heute im Feierabendverkehr im Stau stehen werde. Über Hannover und seine Baustellen hat die Komiker-Truppe Salon Herbet Royal eigens ein Lied komponiert. All das bleibt mir erspart. Während sich momentan alles wegen der gesperrten Königsstraße auf den Straßen staut, schwebe ich mit dem Zug lässig über die qualmenden Köpfe hinweg.

Außerdem: mit einer Monatskarte stehen mir so viele Wege und Möglichkeiten offen! Da ich etwas außerhalb wohne, komme ich mit dem normalen 4-Zonen-Ticket nicht aus. Heißt im Umkehrschluss aber auch, dass mein Radius etwas größer ist. So kann ich etwa nach Feierabend entspannt nach Hildesheim fahren. Oder auch am Wochenende mal fix nach Hannover reindüsen, ohne noch extra einen Parkplatz suchen (und bezahlen!) zu müssen.

Zu guter letzt kann ich zur Not nun auch an den winterlichsten Tagen zu Fuß zum Bahnhof gehen und zur Arbeit fahren. An den wirklich fiesen Wintertagen, an denen die Straßen spiegelglatt waren, habe ich bisher immer im Büro angerufen und spontan einen Tag Urlaub beantragt.

Ach, und da ich nun gut 10.000 Kilometer weniger im Jahr mit dem Auto fahre, wird auch die Versicherung billiger.

Nach ein paar Tagen habe ich mich nun auch schon fast an das Pendeln mit der Bahn gewöhnt. So langsam wird selbst das Routine. Einzig die Tatsache, dass einem nun doch irgendwie immer die Zeit im Nacken sitzt, bedarf noch ein wenig der Gewöhnung. Da unser Nachbardorf nur einmal in der Stunde von der Bahn bedient wird, ist man da schon sehr auf Pünktlichkeit angewiesen. Aber vielleicht entscheide ich mich noch einmal und und nutze häufiger den Zug ab Sarstedt. Dort fahren in der Stunde vier Züge, das macht flexibler. Schon toll wenn man in Sarstedt in den Zug steigt und in nur zehn Minuten mitten in Hannover steht. Ich beobachte das mal ein wenig…;-)

Edit (1 Woche später): Inzwischen fahre ich meist von Sarstedt aus, da ich dann eine Viertelstunde früher im Büro bin. Zudem hat es den Vorteil, dass ich nach Feierabend noch mal fix auf dem Weg nach Hause einen Schlenker zum Supermarkt machen kann. Aber ich halte mir immer noch die Möglichkeit offen, auch mal mit einem Fahrrad zum Bahnhof des Nachbarortes zu fahren. Momentan kostet das aber noch ein wenig Überwindung. Wobei: besseres Wetter kann man für sowas ja eigentlich gar nicht haben…

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