Paddeln auf der Leine, oder: „Die Kanu-Tour des Todes“

Auf diesen Programmpunkt beim Familienbesuch hatte ich mich am allermeisten gefreut: eine schöne Kanu-Tour auf der Leine. Das Wetter war hervorragend, nicht zu warm, nicht zu kalt. Beste Voraussetzungen für einen tollen Tag, der lange in Erinnerung bleibt. Wird er auch – aber aus anderen Gründen…

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Geplant war eine 18 Kilometer lange Tour auf der Leine von Brüggen bis unter die Marienburg bei Nordstemmen. Voller Erwartung standen wir schon eine halbe Stunde zu früh an Ort und Stelle parat und warteten auf den “Mann mit den Booten”. Als dieser ebenfalls zu früh eintraf, wurden erst mal die Kanus abgeladen. Anschließend gab es eine Einweisung in Paddel- und Steuer-Techniken, Sicherheitshinweise und ein paar Tipps zu Eigenheiten der Strecke. Wider Erwarten haben wir es alle trocken in die Boote geschafft und nacheinander abgelegt. In den ersten paar Minuten musste ich mich noch ein wenig an das Steuern gewöhnen (“Wenn ich da links so paddel, geht es nach rechts, aber wenn ich so mache geht es doch nach links?!”), dann lief die Tour aber sehr entspannt ab und wir bummelten zu acht, aufgeteilt auf drei Boote mit der Strömung über die Leine.

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Bis wir zum ersten Wehr kamen. Dort ging es so rauschend bergab, dass wir vom Veranstalter den Hinweis bekommen haben, wir sollten vor dem Wehr an Land gehen, die Boote etwa 50 Meter über Land ziehen und dann wieder ins Wasser setzen. Zurück in ruhiges Fahrwasser. Hätten wir auch gerne gemacht, hätte sich uns nicht folgendes Bild geboten:

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Tja nun. Für uns war es an dieser Stelle unmöglich die etwa 40 Kilo schweren Kanus über den Baumstamm zu hieven und sie wieder zu Wasser zu lassen. Wie man erkennen kann war nicht nur der Baumstamm das Problem. Durch das Hochwasser vor drei Wochen war auch einiges an Treibgut angeschwemmt worden, das vor und hinter dem Baumstamm am Ufer trieb. Selbst wenn wir die Kanus über den Baumstamm gehoben hätten, wären wir nie trockenen Fußes wieder an Bord gekommen. Für eine sportliche Herrentruppe vielleicht nicht das Problem, für uns mit Frauen und Kindern aber unmöglich.

Also hieß es: Alternativen suchen. Am Ufer sind wir dann etwa 500 Meter flußabwärts gelaufen, nur um festzustellen, dass hier überall eine steile Böschung etwa 5 Meter in die Tiefe geht. Es war nicht daran zu denken die Kanus da runterzuwuppen. Bei dem Versuch eine geeignete Stelle zu finden, ist Michi dann die Böschung heruntergefallen, hat sich dabei heftig das Bein verletzt und war anschließend bis zur Hüfte klitschnass. Spätestens damit war unsere Laune mächtig im Keller und der so heiß erwartete Ausflug jäh gestorben. Dummerweise war ringsrum nur Wald, Wiese und Acker. Selbst der nächste Feldweg war einige hundert Meter entfernt. Es war nicht im Traum daran zu denken, die schweren Kanus bis irgendwo zu schleppen, wo wir hätten weiterfahren können. Da die Strömung am Wehr auch nicht so ohne aussah, haben wir uns auch nicht mehr ins Wasser getraut, um das Wehr anderweitig zum umfahren. Also: Veranstalter anrufen, um Rat fragen. Dummerweise sitzt der Veranstalter in Bad Münder und war nach 40 Kilometern gerade wieder in seinem Büro angekommen. Schon durfte er auf dem Absatz kehrt machen und zu uns kommen. Hieß für uns: erst mal mit getrübter Laune eine gute Stunde auf den Herren warten. Die Gemüter kochten hoch, schließlich waren wir der Ansicht, dass er als Veranstalter ja eigentlich über solche Hindernisse auf der Strecke informiert sein sollte und seine unerfahrenen Paddler da nicht blindlinks drauf zu paddeln lässt.

Das Ende vom Lied: er fuhr mit seinem Auto ans gegenüber liegende Ufer, wir haben ihm die Boote übergesetzt und aufgeladen. Der Ausflug war damit gestorben. Damit der Tag für unsere Gäste nicht vollends dahin war, habe ich sie anschließend zumindest noch in eine Eisdiele gelotst.

Und jetzt das traurige Nachspiel: wir hatten für die Paddeltour fast 200,- € an Gebühren bezahlt. Die Tour war für uns nach einer halben Stunde vorbei, alle waren wütend, weil der Veranstalter unserer Meinung nach seiner Fürsorgepflicht nicht nachgekommen ist, unser Ziel hatten wir bei weitem nicht erreicht, stattdessen stundenlang auf die Abholung gewartet. Im Telefonat am Dienstag hieß es dann, dass die Umgehung des Wehrs auf dieser Route ja nur ein Vorschlag sei, wir die Boote da doch einfach hätten drüberwuppen können (das hätte eine Männertruppe am nächsten Tag locker geschafft…). Außerdem heißt es ja in den AGBs: „Darüber hinaus muss sich der Kunde gezielt vor Ort über die Befahrbarkeit des ausgewählten Gewässers informieren.“ Auf deutsch: „Da hätten Sie die Strecke ja vorher ablaufen sollen, ob sie irgendwo nicht befahrbar ist.“ Wir haben uns ja „gezielt vor Ort über die Befahrbarkeit des ausgewählten Gewässers“ informiert – und haben festgestellt, dass es eben nicht befahrbar ist. Dann wurde auch noch als Argument aus der Schublade gezogen, dass ja für den Veranstalter Mehrkosten entstanden seien, weil er unsere Fahrer zu den zurückgelassenen Autos hätte fahren müssen – gut 2 Kilometer. Als freundliche Geste wurde dann ein Gutschein über 40,- € angeboten, den wir aber dankend abgelehnt haben. Was soll ich mit einem Gutschein von einem Veranstalter, der sich a) nicht über den Zustande der Strecke informiert (das Hochwasser war vor drei Wochen) und b) der von einem Trupp mit Frau und Kindern verlangt, dass diese doch easy-peasy die Boote über einen Baumstamm wuppen könnten…

Fazit: die halbe Stunde, in der wir auf der Leine unterwegs waren, war echt herrlich. Die Landschaft war toll, die Ruhe unglaublich und das Teamgefühl toll. So eine Tour werden wir sicherlich noch einmal machen, dann aber mit einem anderen Anbieter.

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