Serienkritik: „Hindafing“, Staffel 1

Alfons Zischl (Maximilian Brückner) ist Bürgermeister des verschlafenen Bayern-Dörfchens Hindafing, wie schon zuvor sein jüngst verstorbener Vater. Der Sohn füllt die großen Fußstapfen allerdings nicht so recht aus: ein Windpark steht dank Finanzierungslücken nutzlos ohne Flügel vor den Toren der Stadt, auch die zugesagten Gelder für ein geplantes Shoppingcenter scheinen wegzubrechen und zu allem Übel will ihm der Landrat auch noch Flüchtlinge aufdrücken. All das stärkt natürlich nicht gerade Zischls Rückhalt in der Bevölkerung. Als wenn das noch nicht genug wäre, hat der feine Herr auch noch ein gediegenes Koks-Problem…

Durch Empfehlungen in der Presse bin ich auf diese deutsche Serien-Perle aufmerksam geworden. Wenn eine Serie aus unseren Landen quasi in allen Artikeln mit “Fargo” und gar “Breaking Bad” verglichen wird, kann sie ja nur gut sein. Und ja. kann ich bestätigen.

Ich muss zugeben: einen gewissen Hang zur “bayerischen Quäsigkeit” sollte man schon haben. Wer etwa die sehr hörenswerten Hörbuch-Versionen der Rita-Falk-Krimis kennt, gelesen vom hervorragenden Christian Tramiz, der wird wissen was ich meine. Und fast ebenso wie in den Rita-Falk-Krimis sind auch hier alle Charaktere etwas eigentümlich, aber doch immer noch gerade so, dass sie authentisch bleiben. Da gibt es Zischls Frau, die aus lauter Langeweile zuhause mit dem Malen angefangen hat. Da gibt es einen properen Bio-Bauern samt resoluter (und ebenso properer Frau), der dann doch nicht ganz so “bio” ist. Da gibt es einen jungen Pfarrer, der erst die Beerdigung von Zischls Vater amtlich in den Sand setzt und sich dann in einen Flüchtling verliebt. Da gibt es den Asylanten, der nicht nur fließend deutsch spricht, sondern auch noch haargenau auf seine Rechte pocht. Und nicht zu vergessen den Vorsitzenden des Sportvereins, der auf Zischl gar nicht gut zu sprechen ist und dessen Tochter ein dunkles Geheimnis mit sich herumträgt, das von Folge zu Folge nur immer dunkler wird.

Und darin findet sich auch eine Gemeinsamkeit mit “Fargo”: alle Personen sind ein wenig “hinterwäldlerisch, provinziell”, aber jeder auf seine eigene Art auch irgendwie liebenswert. Auch wenn es hier und da viel zu lachen gibt, so ist “Hindafing” doch nicht klamaukig. Die Gemeinsamkeiten mit “Breaking Bad”, die auch oft zitiert sind, werden im Lauf der sechs 45-Minüter deutlich: nicht nur Bürgermeister Zischl verstrickt sich immer mehr in ein Geflecht aus Abhängigkeiten, Täterwissen und Erpressungen. Irgendwann ist es soweit, dass jeder einzelne durch den Dreck, den er am Stecken hat, durch andere erpressbar wird. Das ganze Konstrukt implodiert nur deswegen nicht, weil alle über die Missetaten der anderen Stillschweigen wahren.

Zwar ist “Hindafing” genauso vielschichtig und komplex wie “Breaking Bad”, hat dabei aber viel mehr Tempo. Hier gibt es keine langgezogenen Szenen, hier geht es quasi Schlag auf Schlag.

Fazit: “Hindafing” ist für mich ein absolutes Serien-Highlight für all jene, die der bayerischen Mundart nicht komplett abgewandt sind. Ich habe fast die gesamte Zeit zumindest mit einem breiten Grinsen das Treiben der vielen komischen Vögel verfolgt und mir auch das ein oder andere Mal vor Lachen auf die Schenkel geklopft.

Wertung: 5/5

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