Seriekritik: „Person of Interest“, Staffel 1

Drehbuchautor: Jonathan Nolan (“The Dark Knight”, “Interstellar”), Produzent: J. J. Abrams (“Star Trek”, “Star Wars”) – was kann da schon schiefgehen? Wenn so ein Dream Team eine Fernseh-Serie dreht, dann kann da ja nur Gutes bei rauskommen, oder?

New York: nach den Anschlägen des 11. September hat der geniale Programmierer Harold Finch (Michael Emerson) einen Algorithmus geschrieben, der tagesaktuell die Gefährungspotenziale für alle Menschen ermittelt. Egal ob man nun aktiv im Internet was Böses plant oder einfach zu häufig an den falschen Überwachungskameras vorbeischlurft. Sollten sich die Hinweise auf einen terroristischen Akt verdichten, so gehen täglich vollautomatisch die verdächtigen Daten an die Heimatschutzbehörde. Doch nicht nur Terrorismus kann der allwissende Über-Computer erkennen, sondern auch Anzeichen für Kleinkriminalität oder Gefährdung von Personen. 


Finch hat heimlich eine Hintertür in den Algorithmus eingebaut, der ihm die Sozialversicherungsnummer von Menschen ausspuckt, die in irgendeiner Weise mit Kriminalität in Kontakt kommen können. Dumm nur: der Computer lässt sich nicht allzu sehr in die Karten schauen, daher weiß Finch niemals ob es sich bei der betreffenden Person um ein Opfer oder einen Täter handelt.

Da Finch zwar reich im Geiste, aber nicht gerade mit bestechender Physis gesegnet ist, benötigt er für die Ermittlungen einen kampferprobten Ermittler. Den findet er im ehemaligen Elitesoldaten John Reese (James  Caviezel). Der gilt offiziell als tot und ist dank seiner überragenden Kampfkünste und seines ebenfalls hellen Köpfchens der ideale Partner für die “Drecksarbeit”.


Und dann gibt es da noch die interessanten Nebenrollen: Detective Carter, die nach den Action-Parts an den Tatorten immer wieder von einem “Mann im Anzug” (Reese) hört und sich auf die Spur des mysteriösen Helden macht. Und Lionel Fusco einen korrupten Polizisten, der Finch und Reese mit wichtigen Informationen aus dem inneren Zirkel des NYPD versorgt oder auf Ansage auch mal Informationen streut.


Das Setting finde ich spannend: in jeder Folge bekommt das Ermittler-Duo eine neue Person zur Beobachtung vorgesetzt. Zumeist beginnt es damit, dass Reese die Person beschattet, während Finch ihm via Knöpfchen im Ohr den einen oder anderen wichtigen Hinweis geben kann. Denn: wer einen solchen Algorithmus programmieren kann, der hat natürlich auch Zugriff auf alle möglichen Datenbanken, Versorgungsnetze und Überwachungskameras. 


Zugegeben: das mag man anfangs noch für ein wenig “over the top” halten, entspricht es doch schon fast einer Allmachtsfantasie tatsächlich wirklich alles und jeden jederzeit beobachten zu können. Wenn man sich von dem Gedanken der (hoffentlich) fehlenden Machbarkeit verabschiedet, bekommt man aber eine sehr dynamische Serie, die oftmals mit überraschenden Wendungen und noch häufiger mit smarten Dialogen zu punkten weiß.


Wenn Reese einer observierten Person tief in die Augen schaut und sagt: “Fragen Sie nicht, wer ich bin. Ich bin der, der dafür sorgt, dass Sie diesen Tag überleben” klingt das anfangs noch ein wenig sehr auf “dicke Hose”. Aber schnell habe ich gemerkt, dass James Caviezel die Rolle des Ex-Soldaten mit viel Charisma ausfüllen kann. Sieht schon cool aus, wenn er mit seinen Kampf-Moves alle Gegner der Reihe nach in Sekundenschnelle schachmatt setzt. Auch hier wieder der Gedanke “Auch ein wenig ‘drüber’, oder?” – aber: that’s Entertainment. “Person Of Interest” gibt sich in vielen Belangen nicht gerade große Mühe realistisch zu sein, aber auch Bruce Willis hatte einen seiner coolsten Momente als er in “Stirb Langsam 4” lässig auf der Tragfläche eines Düsenjets stand. 😉


Auch Finch-Darsteller Emerson passt sich sehr gut in die Rolle ein. Zwar ist er der geheimnisvoll-verschrobene Nerd, der nicht mal seinen Wohnsitz preisgibt, aber eben doch nicht so verschroben, dass er nicht doch sehr sympathisch wäre. Der Rest des Ensembles ist ebenfalls sehr gut besetzt und sorgt dafür, dass man bei allen Charakteren immer mal wieder mitfiebern kann.


Während jede Folge für sich jeweils einen Fall komplett abschließt, gibt es auch noch eine Episoden übergreifende Handlung. So wird beispielsweise in mehreren Episoden ein mafiöser Ober-Boss etabliert, der nach und nach immer mehr Einfluss auf die New Yorker Unterwelt bekommt. Das Ende der ersten Staffel macht auf jeden Fall Lust auf mehr: hier kommt eine Person ins Spiel, von der man weiß, dass sie in der zweiten Staffel noch für ordentlich Furore sorgen wird.


Wer also nach Feierabend gerne mal den Kopf abschaltet und sich nicht in Fragen versteigt wie etwa “Der kann doch nicht wirklich jedes Handy so schnell abhören und so viele Überwachungskameras anzapfen” oder “Sonst ist Reese der perfekte Kämpfer, aber ausgerechnet jetzt…”, der bekommt mit “Person of Interest” eine Serie, die nur selten mal Zeit zum Durchatmen lässt und immer für eine Überraschung gut ist.


Wertung: 4,5/5

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