100 Kilometer

Dass ich mich meist nicht mit einer 20-Kilometer-Radtour zufrieden gebe, sollte der geneigte Leser inzwischen mitbekommen haben. Aber vor „dreistellig“ habe ich doch noch ziemlichen Respekt. Erst ein Mal in diesem Jahr habe ich diese Distanz gefahren, seinerzeit mit dem Pedelec. Aktuell steht das teure E-Bike aber auf dem Abstellgleis: 100 Kilometer komplett ohne Motor sind die Herausforderung!

Da der frühe Vogel bekanntlich den Wurm fängt und für den Tagesverlauf eine Verschlechterung des Wetters vorhergesagt wurde (während ich das hier schreibe, grummelt der Himmel da draußen), saß ich um kurz nach 7 Uhr im Sattel. Wie schon in den letzten Tagen habe ich mich wieder navigieren lassen. Zuvor hatte ich mir am Rechner eine Route zusammengeklickt, die 100,5 Kilometer lang war und diese anschließend auf meinen neuen Radcomputer geschickt. Bei etwas diesigem, aber sehr wohltemperierten Wetter habe ich dann meine Tour begonnen.

Um nicht schlapp zu machen, hatte ich mir ernährungstechnisch eine kleine Strategie bereitgelegt, die sich im Nachhinein bewährt hat. Da ich ungefrühstückt losgefahren bin, wollte ich in regelmäßigen Abständen eine kurze Rast machen und die Energiereserven etwas auftanken. Bei Lidl hatte ich mir Billo-Schokomüsli-Riegel gekauft, außerdem hatte ich noch eine angefangene Prinzenrolle dabei. Meine Denke: nach je 30 Kilometern zwei Müsliriegel, die schnell Zucker und somit Energie bereit stellen. Außerdem zwei Kekse aus der Prinzenrolle. Deren Schokolade wird vom Körper schnell verarbeitet, während der Keksteil ein wenig länger braucht, um seine Energie freizugeben. Hat anscheinend funktioniert.

Und so machte ich irgendwo zwischen Ditterke und Kirchwehren eine erste kurze Pause und genoss mein erstes kleines Frühstück. Eine weitere Neuanschaffung erwies sich auch als sehr praktikabel: meine neuen Kopfhörer können auf Knopfdruck die Wiedergabe beenden (jaja, lacht ihr nur, ich komme was das angeht aus der technischen Kreidezeit…). Besonders praktisch wenn man an einem so beschaulichen Flecken mal eben den Podcast im Ohr stoppen kann, um einfach die Geräusche der Natur zu genießen.

Disclaimer: Selbstverständlich habe ich beim Radfahren nur im rechten Ohr einen Hörer, damit ich mit dem linken Ohr noch den Verkehr wahrnehmen kann.

Da ich wusste, dass diese Tour länger wird als andere, habe ich nicht nur was die Ernährung angeht mit meinen Kräften gut gehaushaltet. Auch was die Anstrengung beim Treten angeht, habe ich mich sehr zurückgehalten, erschien mir die im Navi angezeigte Zahl für die Restkilometer doch respektvoll hoch. Erstaunlicherweise sind meine Beine inzwischen so fit, dass ich auch in den höheren Gängen gut treten kann, ohne dass ich groß aus der Puste komme. Ich verweise da gern auf die Funktion in Strava, die anhand meiner Trainingsdaten meine Fitness bewertet. Ich sage mal so: sah die letzten sechs Jahre noch nie so gut aus wie jetzt. Dabei ging es mit der Krebserkrankung zum Jahreswechsel dermaßen steil bergab.

Ganz nebenbei bemerkt: ich werde Komoot gerade ein wenig untreu. In einem YouTube-Video bin bin ich auf den Routenplaner BRouter.de aufmerksam geworden. Die im Video aufgeworfene Frage: „Ist BRouter besser als Komoot?“ kann ich nach der ersten Testfahrt nur mit „Ja sicher!“ beantworten. Durch einen kleinen Kniff, der im Video erklärt wird, kann man bei der Routenplanung alle Schotterpisten außen vor lassen, so dass man wirklich ausschließlich auf Asphalt oder befestigter Straße fährt. Meine erste BRouter-Tour hat sich nicht nur an diese Regel gehalten, sondern hat meiner Meinung nach für die Tour auch sehr schöne Nebenstrecken ausgesucht, die sehr verkehrsarm sind. Und dabei ist die Tour noch nicht mal länger geworden. Für die Planung einer entspannten Radtour, bei der man sich weder Sorgen um vielbefahrene Landstraßen noch um Schotter-Apokalypsen machen muss, ist BRouter eine gute Anlaufstelle.

Auf den kleinen Exkurs gekommen bin ich, weil ich kurz nach meiner Rast auf einem wunderbaren Landwirtschaftsweg parallel zur in 200 Metern verlaufenden Landstraße sehr entspannt ein paar Kilometer reißen konnte und somit schon fast die entfernteste Stelle meiner Route erreicht hatte: meine alte Heimat Wunstorf. Kurz zuvor wurde noch fix der Mittellandkanal geknipst.

Gerade bei so langen Touren habe ich an dem Punkt, der mutmaßlich am weitesten von Zuhause entfernt ist so ein „Mitgehangen, mitgefangen“-Gefühl. Da hatte ich mich ja wieder auf was eingelassen. An dem Punkt wird einem dann erst mal wieder klar, dass man die Strecke ja auch wieder zurück fahren muss – mit Gegenwind.

Mein persönliches Gesetz: man fährt nie die gleiche Strecke zurück, die man hin gefahren ist. Also führte mich mein Weg über Haste bis hin nach Bantorf, wo ich leicht schmachtend das „goldene M“ erblickte. Aber mit einem „McFrühstück“ (oder was auch immer) im Bauch, hätte ich es von dort sicher nicht zurück geschafft. Stattdessen habe ich wenige Kilometer weiter einen Rastplatz gefunden, der für mich wie gemacht war und über die Felder einen schönen Blick in Richtung Deister bot.

Fast auf den Kilometer genau konnte ich dort nach 62 Kilometern meine zweite Rast genießen. Ansonsten reicht es nur noch für eine Kurzfassung: ab Kilometer 80 tut mir weiterhin der Hintern weh, meine dritte Rast, die eigentlich angesagt gewesen wäre, habe ich dann sausen lassen („Ist ja nicht mehr so weit…“) und dank des Navis habe ich auch recht nah an zuhause noch neue Streckenabschnitte entdeckt, die ich bisher noch nicht kannte.

Hier meine Route in der Übersicht:

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