Die beste Entscheidung des Jahres: Stundenreduzierung

Inzwischen kann ich fast auf zwei Monate zurückblicken, in denen ich mit reduzierter Stundenzahl arbeite. Zeit für ein kleines Zwischenfazit.

Die Arbeit

Was ist das doch für ein tolles Gefühl, wenn jeder Tag ein Freitag ist. Bisher habe ich an nur einem Tag mal 9 Stunden gearbeitet. Meistens fange ich gegen 11 Uhr an zu überlegen, ob ich bis 12 Uhr (und somit 45 Minuten “Miese”) oder bis 13 Uhr (15 Minuten “Plus”) arbeite. Mein Überstundenkonto baut sich nur sehr langsam ab, weil meistens die 12 gegen die 13 gewinnt, aber alles ist im Rahmen. Es tut auch meinem Biorhythmus offensichtlich sehr gut, dass er das Mittagstief nicht im Büro verbringen muss. Und viel von dem alltäglichen Stress im Büro ist mit einem “Hast ja bald Feierabend” echt besser wegzustecken als zuvor. Allein vor diesem Hintergrund war die Entscheidung absolut richtig und wichtig, um nicht psychisch unter die Räder zu kommen. Schließlich hat mit die erneute Krebserkrankung zum Jahresbeginn mal wieder gezeigt, wie wertvoll eben all die Zeit ist, die man eben nicht mit Arbeiten verbringt. Und damit kommen wir zu…

 

Die Freizeit

Ich bin ja mit dem hehren Anspruch an mich selbst gestartet, dass ich die neu gewonnene Zeit auch wirklich sinnvoll nutzen will. Es kann ja nicht angehen, dass ich auf einen Teil meines Gehaltes verzeichte, nur um dann ein paar Stunden länger auf der Couch zu hocken. Und so nehme ich mir meistens irgendetwas vor, das nach Feierabend zu erledigen ist. Es muss gar nicht mal was großes sein. Sei es eine Radtour, Gärtnern oder irgendwas im Haushalt machen. Damit fahre ich momentan sehr gut. Wobei: nach einer 80-Kilometer-Radtour vorgestern habe ich es mir gestern mehr oder weniger einfach nur im Garten gut gehen lassen. Ein wenig Gartenarbeit gemacht und mir anschließend auch die Freiheit genommen, meinen Regenerations-Tag mit einem gepflegten Nickerchen im Strandkorb zu krönen.

Was aber sicherlich auch eine Auswirkung der Stundenreduzierung ist: ich habe neue Hobbies. Hauptsächlich sind das Gärtnern und Kochen – der treue Leser hat es wohl schon vermutet. Es macht einen riesigen Unterschied ob man gegen 17 Uhr nach der Arbeit zuhause landet oder eben um 13 Uhr. Auf einmal hat man Zeit für Dinge, die nicht nur Spaß machen, sondern einen auch irgendwie erfüllen. Für innere Balance sorgen. Ich nehme mir nicht nur gerne die Zeit, ein anständiges Abendessen zusammenzuschnibbeln; auch das Abwaschen direkt im Anschluss kommt mir nicht mehr so nervig vor wie früher. Damals, als man nach 8 oder 9 Stunden Arbeit nicht auch noch Hausarbeit machen wollte. Geht jetzt alles besser von der Hand.

Ich nehme auch häufiger mal wieder ein Buch in die Hand und mache ausgiebige Lesestunden auf der Sonnenterrasse.

 

Das Finanzielle

Eigentlich war das reduzierte Gehalt der einzige Grund, der gegen eine Stundenreduzierung sprach. Komme ich wirklich mit dem Geld aus? Haut das hin? So 100%ig kann ich das noch nicht sagen, denn im April gab es eine Nachzahlung aus einer Tariferhöhung und auch Corona sorgt momentan dafür, dass die aktuellen Ausgaben vermutlich etwas reduziert sind. Andererseits: pünktlich zur Umstellung landeten bei mir einige jährlich anfallende Rechnungen, Reifenwechsel und Einlagern wollten ebenso bezahlt sein wie einige Garten- und Küchen-Utensilien (inklusive neuem Backofen!) – und trotzdem reiche ich momentan gut damit hin. Natürlich bleibt weniger Geld für Rücklagen über, aber aktuell habe ich nicht die Angst, stündlich in den Dispo zu laufen. Der Zuwachs an Lebensqualität hingegen ist jeden Cent, auf den ich verzichten muss, doppelt und dreifach wert.

Und so stimme ich also auch ein in den Kanon all jener Personen, die mir von der Reduzierung auf 30 Stunden vorgeschwärmt haben und sehe diese Entscheidung als die beste des Jahres an. Gleichzeitig bin ich dankbar und demütig dafür zu wissen, dass nicht jeder die Möglichkeit hat, einfach mal so auf Einkommen zu verzichten. Mir geht es da schon gut – rundum.

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