Das doppelte Akku-Desaster

Von Zeit zu Zeit sollte man sich echt mal bewusst machen, wie sehr Gedeih und Verderb manchmal von ausreichender Akku-Ladung abhängig sind. Hier ein schönes Beispiel, erlebt auf meiner Radtour am vergangenen Sonntag.

Alles fing eigentlich sehr positiv an, und zwar mit der Erkenntnis, dass mein Fahrrad-Akku viel mehr kann, wenn ich weniger mache! Will heißen: normalerweise fahre ich meist in einem der beiden höchsten Gänge und wundere mich, dass der Akku nach gut 100 Kilometern leer ist. Dabei soll der doch eigentlich über 200 Kilometer Reichweite haben! Klar: dass diese Werte nur unter unrealistischen Optimalbedingungen erreicht werden, sich aber dennoch gut in Verkaufsprospekten machen, ist mir schon bewusst. Dennoch: als ich das Fahrrad bekommen habe, stand bei der ersten Tour eine Restreichweite von über 190 Kilometern auf dem Tacho. Ein Wert, der danach nie wieder auch nur ansatzweise erreicht wurde. Meine Denkweise bisher: „Wenn ich selbst ordentlich in die Pedale trete und mich anstrenge, dann hat der Motor nicht mehr so viel zu tun.“ Denkste!

Gestern bin ich mit dem Vorsatz aufgebrochen, wieder eine sehr lange Tour in unbekanntem Gebiet zu fahren. Da ich auf fremden Boden nicht abschätzen kann, wie lang die Tpur am Ende wird, bin ich es etwas ruhiger angegangen, habe die höchsten Gänge vermieden und auch die Geschwindigkeit für die Motorunterstützung nicht komplett ausgenutzt. Als ich losgefahren bin zeigte der Akku eine Restreichweite von 104 Kilometern. Nachdem ich in Alfeld angekommen war und somit schon gut 40 Kilometer weggeradelt hatte, zeigte die Restreichweite……105 Kilometer! Hui! Gelernt: wenn ich es ruhiger angehen lasse, dann komme ich wesentlich weiter. Schöne Erkenntnis. Das mit den 190 Kilometern scheint da tatsächlich wieder machbar zu sein.

Alfeld war auf bisherigen Radtouren immer so meine Grenze. Unbekanntes Terrain, das zudem auch noch hügeliger ist als die Gegend um Hannover herum. Man sieht es beispielsweise auf dem Beitragsbild. Aber auch sonst habe ich auf dem Weg wieder viele schöne neue Ecken kennen gelernt:

Ein kleiner Angelsteg. Sicherheitshalber mal vom Rad steigen und rüberschieben…;-)

Da mein Fahrrad die tolle Funktion bietet, mir die Navigation des Smartphones auf dem Fahrrad-Display anzuzeigen, habe ich das tatsächlich mal ausprobiert. Geplant war, mich von Alfeld aus auf schönen Wegen in Richtung Bad Salzdetfurth navigieren zu lassen.

So sollte meine Route nach Bad Salzdetfurth eigentlich aussehen…

Von dort aus dann weiter nach Hildesheim und nach Hause. Anfangs war ich sehr begeistert: gerade in Ortschaften hat sich diese Navigation echt bewährt. Auf dem Display steht jederzeit, wann das nächste mal irgendwo abgebogen werden muss. Und gut 100 Meter und erneut ca. 30 Meter vor dem Richtungswechsel meldet sich noch ein Piepton. Das macht die ganze Sache an sich sehr entspannt. Nur für Interessierte: natürlich hätte ich mir die Navi-Ansagen auch auf mein Headset spielen lassen können, um mich per Sprache navigieren zu lassen, aber auf dem Ohr habe ich lieber unterbrechungsfrei meine Podcasts.

Navigation auf dem Fahrrad-Display. So macht das Spaß! Eigentlich…

Zumindest fühlte mich auf dem Weg sehr gut angeleitet und bestritt entspannt Kilometer um Kilometer.

Bis irgendwann der Podcast kurz drei Sekunden lang ausgesetzt hatte. Das passiert immer dann, wenn ich eine Benachrichtigung bekomme. Meistens bei WhatsApp oder einer Mail – oder eben dann, wenn der Handy-Akku zur Neige geht. Wohlgemerkt: das Handy war zu Fahrtbeginn fast komplett aufgeladen und jetzt nach gut 45 Minuten Fahrt mit Navigation leergesaugt! Und es hat nicht daran gelegen, dass in der Jackentasche die ganze Zeit das Display auf hellster Beleuchtung gewesen wäre. Anscheinend zieht dieses Fahrrad-Navi ordentlich Strom. Das muss ich mal im Auge behalten.

Normalerweise wäre das ja nicht so das große Problem gewesen, wäre ich nicht in mir vollkommen unbekannten Landstrichen unterwegs gewesen. Bei meinen normalen Touren kenne ich inzwischen im Umkreis von 25 Kilometern jeden Winkel, jeden Schleichweg. Aber hier? Kein Ortsname sagte mir irgendwas und selbst die gelben Wegweiser, die an Landstraßen stehen, wiesen nur auf Orte, mit denen ich nichts anfangen konnte. Nix mit Bad Salzdetfurth oder gar Hildesheim. Lost in the wild, sage ich mal. Wie sich herausstellte, hat mich das Fahrrad-Navi nicht nur nicht auf dem kürzesten Weg nach Bad Salzdetfurth lotsen wollen, sondern anscheinend komplett von meinem Ziel weg! Noch weiter weg von zuhause! Statt in Richtung Osten lotste es mich immer weiter nach Süden, so dass ich schon fast in Einbeck war.

Ich muss eingestehen: die Landschaft dort war mit ihren Hügeln schon sehr ansehnlich. Kein Wunder, war ich doch anscheinend sogar bis ins dem Harz vorgelagerte Bergland geradelt. Dumm nur: während ich auf dem Weg nach Alfeld so entspannt gefahren bin, dass ich nach 40 Kilometern sogar einen Kilometer mehr Restreichweite hatte, schlug das ewige Auf und Ab nun mächtig ins Akku-Kontor: alle 300 Meter verlor ich einen Kilometer Restreichweite. Wenn das so weiterginge, würde es nicht mehr bis nach Hause reichen. Und als ich dann zwei, drei Orte weiter immer noch keine ausgeschilderten bekannten Ortsnamen gesehen habe, hieß es: mit Energie sparsam sein. Zum einen habe ich für einige Kilometer die Motorunterstützung ausgeschaltet. Zum anderen habe ich das Podcasthören eingestellt und nur alle paar Kilometer auf dem Smartphone per Google Maps meine Position geprüft. Kurz das Handy raus, die nächsten Ortschaften auf dem Weg nach Hause merken und das Handy wieder aus. Die größte Angst war es, nach 100 Kilometern Radtour noch 10 Kilometer ohne Motor vor mir zu haben. Sonst ja kein Problem, aber mit bereits 100 Kilometern in den Knochen und einem entsprechend schmerzenden Gesäß? Oh, oh…

Etwa 30 Kilometer von zuhause weg konnte ich mich dann zum Glück wieder orientieren und hatte sogar noch für gut 20 Kilometer Akkuleistung als ich erleichtert wieder auf den heimischen Hof gerollt bin. Abends habe ich mir dann die Offline-Karten für die Smartphone-App gekauft, in der Hoffnung, dass der Akku nun nicht mehr so belastet wird wie während der Tour.

Wovon ich im Gegensatz dazu begeistert war: der Akku meiner Fitbit Ionic. Obwohl die Radtour fast 5 Stunden gedauert hat und die Uhr im Sekundentakt GPS und den Pulsschlag kontrolliert hat, war der Akku dieses Winzlings noch knapp zur Hälfte gefüllt. Also steht einer ausgedehnten Radtour von 8-10 Stunden auch nichts im Wege. 🙂

3 Gedanken zu „Das doppelte Akku-Desaster“

  1. Ich lese deine Berichte echt gerne. Ich fahre auch gern Rad, aber noch lieber gehe ich Laufen. Wenn ich im Urlaub bin, gehe ich sehr gerne morgens Laufen. Da kann man abseits der Hauptwege einiges erkunden. Letztes Jahr in der Rhön habe ich mich übelst verlaufen. Wald, Nebel, niemand unterwegs; da war mein Smartphone mein Retter.
    Vielleicht kannst du in der nächsten Folge ‚Nerdtalk‘ mal auf ein paar empfehlenswerte Podcasts eingehen.
    Grüße aus Bayern
    ein langjähriger Nerdtalk-Hörer

  2. Spannender Fahrrad Krimi mit Happy End. 😂

    Liest sich gut – und kann ich voll nachvollziehen, diese Sorgen. Musste grinsen, wie du dann panisch deine Handynutzung gedrosselt hast: Krass, wie sehr wir uns auf die kleinen Dinger verlassen.
    Deswegen habe ich immer eine Powerbank und Kabel dabei. Dass das aber nicht auf eine Fahrradtour anwendbar ist, ist mir aber auch klar.

    Naja, gut, dass du wieder zu Hause bist 😉

  3. @Michael:
    Das nehme ich gerne mal als Themenvorschlag mit auf. Ich bin bei uns ja quasi der Podcast-Beauftragte. Die anderen hören ja meines Wissens nicht so viel.

    @Phil:
    Bin ja selbst Schuld. Ich habe ja inzwischen auch eine Fahrradtasche, die sich in Sichtweite anbringen lässt und sowohl Handy als auch Powerbank Platz bietet. Aber bei dieser Tour bin ich einfach nicht davon ausgegangen, dass eine App innerhalb von 45 Minuten den ganzen Akku wegfrisst, zumal ja nicht mal der Bildschirm an war. Aber: nun bin ich klüger. 😉

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