Filmkritik: „Picknick mit Bären“

Der erfolgreiche Schriftsteller Bill Bryson (Robert Redford) möchte sich vom alltäglichen Einerlei seines eingefahrenen Rentner-Daseins eine Auszeit nehmen. Er beschließt den Appalachian Trail mit über 2.000 Meilen in Angriff zu nehmen. Bedingung seiner besorgten Ehefrau Catherine (Emma Thompson): er geht nicht allein. Auf sein Gesuch hin meldet sich sein alter Kumpel Steven Katz (Nick Nolte), mit dem er vor 40 Jahren feuchtfröhlich durch Europa gereist ist. Bei Stevens Anblick muss er feststellen: er hat sich überhaupt nicht verändert – bis auf seine Kondition…

Bill Bryson wird vermutlich den meisten ein Begriff sein. Zumindest gehört haben könnte man von diesem amerikanischen Schriftsteller, der in Büchern wie “Reif für die Insel: England für Anfänger” oder “Streifzüge durch das Abendland: Europa für Anfänger” sehr unterhaltsam und lehrreich seine Reise-Erlebnisse veröffentlicht. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch und ist also eine Geschichte “wie aus dem Leben gegriffen”.

Und so scheint es auch: Rentner Bryson, der sich noch einmal einer ultimativen Herausforderung stellen und diese allein bewältigen will, wirkt durchaus glaubhaft. Dass seine Frau sich Sorgen macht und ihm ganz beiläufig ein paar Zeitungsausrisse unterjubelt, deren Schauergeschichten von “Opfern des Trails” handeln, ist ebenso amüsant wie nachvollziehbar. Dass er sich notgedrungen mit seinem heruntergekommenen Freund auf den Weg macht – nun ja: entweder mit ihm oder gar nicht.

Kann man die Story jetzt einen Road-Movie nennen oder sollte man doch eher Trail-Movie sagen? Egal. Zumindest erleben die beiden das ein oder andere unterhaltsame Abenteuer und finden über die alten Geschichten wieder zu ihrer Freundschaft zurück. Aus dem anfänglichen “Oh Gott! Den soll ich mitnehmen?” wird langsam ein “Toll, dass Du dabei bist, alter Schwerenöter”. Denn Steven sorgt nicht nur dafür, dass Bill seine Tour überhaupt antreten kann, sondern seine offene Art und diverse Kapriolen sorgen auch dafür, dass Bills Leben wieder richtig Farbe kriegt.

Der Film ist eine gelungene Mischung aus ein wenig Melancholie, der Weisheit des Alters, dem Aufbegehren gegen eben dieses und viel Spaß. Mein persönliches Highlight war natürlich die Wander-Kollegin, die beide ein Stück weit begleitet – und mitten in der Wildnis ihre schräge Version von Daft Punks “Get Lucky” zum besten gibt. Fast wie im heimischen Badezimmer – fragt Michaela. 😉

Ein kleiner Mangel des Films: leider bleibt die Natur ein wenig auf der Strecke. Natürlich gibt es ein paar Kameraeinstellungen, in denen die Schönheit der Natur toll eingefangen wird. Andere Filme haben da aber weit mehr Eindruck hinterlassen. Bei mir war es jüngst “Hell Or High Water”, der unglaublich toll die Idylle/Einöde des Mittleren Westens eingefangen hat. In “Picknick mit Bären” bleibt die Natur leider zumeist nur durchwanderbare Szenerie anstatt zumindes Nebendarsteller.

Wer mehr Wert auf den Aspekt Natur legt, der findet in “Into The Wild” den weitaus beeindruckenderen Film, der viel deutlicher zeigt, wie sehr Natur einen Menschen verändern kann. Wer im gleichen Sujet eher Wert auf eine anständige Katharsis legt, dem sei “Der große Trip” mit Reese Witherspoon empfohlen. Hier steht der innere Kampf der Hauptfigur mehr im Mittelpunkt. Wer aber Lust hat auf einen kurzweiligen, unterhaltsamen Film, in dem zwei sympathische Best-Buddies gemeinsam die Aufs und Abs einer langen Wanderschaft durchleben, der kann hier ruhig zugreifen. Ich zumindest war wirklich richtig überrascht, als auf einmal schon der Abspann kam. Der Film geht immerhin 100 Minuten. Die Zeit ist echt verflogen.

Wertung: 3/5

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