Marriage Story, 2019 – ★★★★½

Nicole (Scarlett Johansson) und Charlie (Adam Driver) sind eine gesetzte Größe in der New Yorker Theater-Szene und galten lange als Traumpaar. Er ist ein gefeierter Theater-Regisseur, sie eine Schauspielerin, die unter seiner Ägide zu einer ernstzunehmenden Schauspielerin reift. Ihre Ehe gerät in Schieflage als Nicole das Angebot bekommt, in Los Angeles einen Piloten für eine Fernseh-Serie zu drehen. Die Trennung soll eigentlich in aller Freundschaft verlaufen. Als Nicole jedoch in L.A. die Scheidungsanwältin Nora (Laura Dern) kennenlernt, beginnt ein Rosenkrieg, den beide Ehepartner so nicht gewollt haben.

„Marriage Story“ beginnt mit einer spannenden Prämisse: während andere Filme mit einem Happy End abblenden, beginnt dieser Film mit der größtmöglichen Katastrophe. Das Beziehungs-Aus ist von Anfang an gesetzt, daran gibt es nichts zu rütteln. Erst nach und nach offenbart der Film die wahren Trennungsgründe und zeigt anschaulich, wie eine Trennung im Guten durch äußere Einflüsse mächtig torpediert werden kann.

Beide Hauptdarsteller sind zu recht für den diesjährigen Oscar nominiert. Sowohl Adam Driver als auch noch viel mehr Scarlett Johansson brillieren wirklich in ihren Rollen. Mächtig beeindruckt haben mich die teils langen Monologe von ihr, in denen sie über das Leben, ihre Beziehung und sich selbst sinniert. Auch Laura Dern macht ihren Job eigentlich gut. Zumindest bin ich mir ziemlich sicher, welche ihrer Szenen bei der Kurzvorstellung der Nominierten gezeigt werden wird. Allerdings fand ich ihre Screen-Time ein wenig knapp bemessen. Wir werden am kommenden Sonntag sehen, ob es gereicht haben wird.

Alles in allem ist „Marriage Story“ ein toller Film, bei dem man mit beiden Parteien mitleiden kann. Zwar hat sich mir nicht ganz erschlossen, warum Nicole nicht ab einem gewissen Punkt ihre Anwältin in die Schranken weist, auf der anderen Seite kann ich auch nachvollziehen, dass man in einer solchen Ausnahmesituation manche Dinge einfach so passieren lässt, sich auf die vermeintlichen Profis verlässt und mit seinem Kopf absolut nicht bei der Sache ist.

Sicherlich kein Feel-Good-Film, aber durchaus großes Darsteller-Kino.

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