Reisebericht Tirol, Tage 1-3

“Urlaub in den Bergen? Wie kommt man denn auf den Trichter?”

Dass unser Mai-Urlaub kein normaler Strandurlaub werden konnte, das war uns schon vorher klar. Zur Debatte stand allerdings auch noch eine Kreuzfahrt entlang der norwegischen Fjorde. Da ich den Vatertag aber in Franken verbracht habe, wäre es von dort aus zeitig nach Hamburg zu kommen, recht stressig geworden. Und wo ich schon mal halb auf dem Weg nach Österreich war, lag der Gedanke nahe, von dort aus dann einfach noch mal weiter zu fahren. Anstatt 8 Stunden Fahrt von zuhause aus, warteten so knappe 4 Stunden Weiterfahrt auf uns. Das klang weit entspannender.

Nach einer kurzen Recherche diverser Reiseportale habe ich herausgefunden, dass Hotels gleicher Güte in Österreich nicht unerheblich günstiger sind als auf der deutschen Seite. Unser Hotel klang auch echt super: ein frisch saniertes 4-Sterne-Haus mitten in (und am) Walchsee, nur knapp eine Viertelstunde von der deutsch-österreichischen Grenze entfernt. Erste Kritiken lasen sich gut und der Preis über das Reise-Portal von LIDL war wesentlich günstiger als die direkte Hotel-Buchung.

Und so sind wir also im schönen Walchsee gelandet. Dass wir mit dem Hotel sehr zufrieden waren, kann man an anderer Stelle (Holidaycheck) nachlesen, daher beschränke ich mich hier auf einen “Erlebnisbericht”.

Am Anreisetag haben wir abends einen kleinen Spaziergang gemacht und erstmals das Bergpanorama genossen. Für mich als Kind vom platten Land war das schon mal ein echtes Erlebnis. Zwar kommt Michi ja aus dem Erzgebirge, aber auch wenn die die Gegend da sehr liebe: irgendwie ist es da eher “nur” wie im Harz. Zwar geht es da auch schon ordentlich bergauf und bergab, aber so richtig alpine Gipfel, die quasi nur aus Gestein und Schnee zu bestehen scheinen, gibt es da nicht. Entsprechend angetan war in die ersten Tage allein schon vom Anblick. Andauernd kam von mir ein “Michi! Da sind Berge! So richtig hohe!”. Nach ein paar Tagen hatte ich mich daran gewöhnt.

Unser erster ganzer Tag in Österreich ist dann ins Wasser gefallen. So kamen wir gleich in den Genuss des schönen Pools, der sich durch eine automatische Tür in einen Innen- und Außenpool trennt. Es sollte sich herausstellen, dass dies unser einziger Besuch dort bleiben sollte. Nicht, weil der Poolbereich nicht toll war, sondern eher weil die Berglandschaft noch viel toller war!

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Auch der niegelnagelneue Fitness-Bereich hat uns nur ein einziges Mal gesehen. Schade, aber für den Muskelaufbau haben wir an den folgenden Tagen auch so noch genug gemacht…

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Am zweiten Tag spielte das Wetter zwar besser mit, leider aber nicht Michis Gesundheit. Bei einem kleinen Spaziergang am See haben wir schnell gemerkt, dass mit einer richtigen Wanderung heute nicht zu rechnen war.

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Stattdessen habe ich ihr ein paar Massagen im Spa-Bereich spendiert und bin allein losgetigert.

Ich hatte mir eine schöne Route herausgesucht, diese dann aber doch ein wenig unterschätzt. Für einen ersten Kontakt mit dem Bergwandern war es – allein – noch ein wenig zu früh. Anfangs habe ich mich noch die steilen, steinigen Wege hochgemüht, aber irgendwann kam der Punkt, an dem der Verstand mir gesagt hat, dass ich besser nicht noch mehr riskieren sollte. Als Ungeübter ohne richtiges Equipment auf einem Weg, der von Touristen nun alles andere als überlaufen ist. Wenn ich da abgestürzt wäre, hätte mich wohl lange Zeit keiner gefunden. Die Stelle hier habe ich noch gemeistert, kurz danach war Schluss.

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Stattdessen hatte ich mir dann vorgenommen, eine erste Runde um den Walchsee zu drehen. Vom Format her ist er ähnlich wie der Maschsee in Hannover, also in 60 – 90 Minuten gut zu umrunden. Gesagt, getan.

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Hier fand ich dann auch die ersten Möglichkeiten, meine “Urlaubs-Drohne” auszuprobieren.

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Ein klein wenig Nieselregen hat mich nicht davon abgehalten, nach der Umrundung des Sees auch noch einen kleinen Abstecher in die andere Richtung zu machen. Ich hatte einfach “Bock auf Berg” und wollte sehen, ob es nicht noch irgendwo einen schönen Blick von oben auf den Walchsee gibt.

Was ich an diesem Tag gelernt habe: Wege sind nicht immer wirklich als Wege zu erkennen. Beispiel, diese Wiese hier:

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Okay, man kann zwar erkennen, dass da ein kleiner Trampelpfad ist – aber wie eine ausgeschilderte Wegstrecke sieht das nicht wirklich aus. (Auch wenn ich mich hierzulande bei manch holperigem Kiesweg frage, wie der als offizieller Radweg ausgeschildert sein kann…). Nur ganz am Ende, da konnte ich irgendwas im Gras erahnen. Könnte eine Bank gewesen sein. Und da war auch wieder irgendwas Gelbes, das eventuell ja doch ein Wegweiser sein könne. Dann bin ich da mal entlang gewandert, immer in Sorge um den nächsten Zeckenbiss, und stand dann tatsächlich vor einer Bank.

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In den folgenden Tagen sollte ich weiterhin lernen, dass ausgeschilderte Wanderwege nicht immer Wege sein müssen, auf denen es sich gemütlich spazieren lässt. Später mehr.

Eigentlich hatte ich dann noch vor, ein wenig höher zu wandern, da der Weg dort recht easy aussah. Gestoppt hatte ich dann aber an einer Weide, die ich hätte überqueren müssen. Und da war mein Problem: vor dem Urlaub hatte ich bei YouTube ein Video eines Wanderers gefunden, der bei uns in der Gegend gewandert ist. Und er musste an einigen Stellen über Kuhweiden, auf denen tatsächlich Kühe standen. Das war mir da schon nicht geheuer. Jetzt, da ich vor genau so einer Weide stand, die auch noch Verhaltenstipps beim Kontakt mit Kühen gab, erst recht nicht. Also kehrte ich um und befand, dass ich für diesen Tag dann doch genug gewandert bin.

Auf dem Rückweg zum Hotel hätte ich ganz einfach entlang der Straße gehen können. Stattdessen bin ich dann auf einem kleinen Wanderweg spaziert, der mir die landschaftlich schönere Alternative geboten hat.

Als ich dann um eine Kurve bog, war plötzlich mein Problem wieder da: Kühe! Eine lag nur gut einen Meter von dem Trampelpfad entfernt, den ich entlang musste. Ein älterer Bauer war gerade da, saß im Schatten eines Baumes auf einer Bank, also habe ich all meinen Mut zusammen genommen und bin schön unauffällig an der Herde vorbei. Yes! Nix passiert! Flotten Schrittes ging ich weiter, um die nächste Hügelkuppe herum. Und dort: Kühe! Dummerweise fünf Tiere, die sogar direkt auf meinem Weg standen. Doch auch hier bin ich gut an den Tieren vorbei gekommen, da sie bei meinem Näherkommen langsam auf eine kleine Rasenfläche geschlendert sind.

Stolz wie Bolle musste ich Michi natürlich von meinem Kontakt mit dem lieben Vieh erzählen.

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