Erste Eindrücke vom Xiaomi Mi6

Das war schon mal ein spannender Handykauf, denn die Sendungsverfolgung hatte es in sich. Mein bei GearBest.com geordertes Smartphone kam über Shenzen, Hongkong und London nach Deutschland. Der Import von Geräten direkt aus China hat den Nachteil, dass ein Einfuhrzoll in Höhe der Mehrwertsteuer (19%) anfällt. GearBest nutzt jedoch einen besonderen Kniff. So wie ich es verstanden habe, hat GearBest einen Deal mit den englischen Einfuhrbehörden. Dort wird die Ware umetikettiert und von dort aus nach Deutschland versandt. Solange England noch in der EU ist, wird somit kein Einfuhrzoll erhoben. Und tatsächlich: nicht nur, dass ich keinen Einfuhrzoll bezahlen musste, ich habe das Gerät auch noch im Rahmen eines (anscheinend fast immer stattfindenden) Sonder-Sales erworben. 450,- € für ein Xiaomi Mi6 mit 128 GB? Klingt fair!

Bisher war für mich das Motorola X Play mein “Daily Driver”, daher bin ich Kummer gewöhnt. Zwar war ich eine ganze Weile rundum zufrieden mit dem Phone, das mich vor allem mit seiner tollen Kamera zu einem günstigen Preis begeistern konnte; mit der Zeit wurde das Gerät dann aber doch langsamer und langsamer. Dass mir das Gerät bei Gartenarbeiten aus der Hosentasche gefallen ist und das Display dabei splitterte, hat die Neuanschaffung nun ein wenig beschleunigt.

Um hier nun auch wieder für die nächsten Jahre gut gerüstet zu sein, sollte es jetzt dann jetzt doch mal wieder ein Flagship-Phone werden. Und soviel kann ich wohl jetzt schon sicher sagen: mit seinem Snapdragon 835-Prozessor und 6 GB Arbeitsspeicher ist das Mi6 fit für die Zukunft. Es wird wohl eine ganze Weile dauern, bis dieses Gerät an seine Grenzen kommt.

Nach gut drei Wochen will ich hier mal meine ersten Eindruck von dem Gerät beschreiben. Und der ist bisher fast durchweg positiv. Das Gerät fühlt sich in der Hand richtig gut und wertig an. Einen Vergleich mit Samsungs S8 oder einem iPhone braucht das Gerät, das fast ausschließlich aus Glas besteht, nicht scheuen. Nach meinen schlechten Erfahrungen mit dem heruntergefallenen Motorola bin ich ganz dankbar, dass Xiaomi gleich einen okayen Bumper mitliefert. Dadurch ist die Haptik dann zwar nicht mehr ganz so toll, das Gerät liegt aber sicherer in der Hand und “klebt” fast auf glatten Oberflächen.

In einigen Testberichten wurde beklagt, dass Xiaomi seinem Gerät keine Kopfhörer beilegt. Mal ehrlich: wer sich ein Smartphone dieser Preisklasse zulegt, der hat zumeist auch anständige Kopfhörer, gegen die beigelegte Kopfhörer eh nicht anstinken können. Ebenso wie das iPhone verzichtet das Mi6 auf einen 3,5-Klinkenstecker. Ein Adapter für den Eingang liegt jedoch bei, so dass Kabel-Kopfhörer angeschlossen werden können. Ich persönlich nutze fast nur noch Bluetooth-Kopfhörer. Im Auto muss ich mir nun allerdings zukünftig überlegen, ob ich lieber Podcasts hören oder das Handy aufladen möchte. Zwar gibt es bei Amazon auch Kabel, mit denen man sowohl einen Kopfhörer als auch zeitgleich ein Ladekabel anschließen kann; bei vielen scheint den Rezensionen nach aber die Ladefunktion nicht zu klappen. Edit: inzwischen habe ich für den Notfall eine gangbare Lösung gefunden. Bei einer Fahrt mich Michis Mini habe ich meine Podcast einfach per Bluetooth-Headset gehört. Somit wäre der USB-C-Anschluss wieder frei fürs Aufladen.

Apropos Lieferumfang: im Handy-Karton selbst ist nur ein Netzteil für den chinesischen Markt enthalten. GearBest legt den Paketen aber kostenfrei einen Adapter für deutsche Steckdosen bei. Das ist vermutlich nicht bei allen Versendern der Fall, also Obacht! Da mir dieses Konstrukt aus Netzteil und Aufsteck-Adapter zu dubios erschien (nicht, dass nachts beim Aufladen mal durch diese Billigteile ein Brand entsteht!), habe ich mir ein spezielles Netzteil gekauft, das den Standard QuickCharge 3.0 unterstützt. Damit hätten wir auch schon mal ein highlight des Mi6: dank QuickCharge 3.0 ist es innerhalb von 90 Minuten von komplett leer auf 100% vollgeladen zu bringen. Da Handy-Akkus aber möglichst nie wirklich komplett voll geladen sein sollten, hänge ich das Xiaomi meist abends für eine Viertel- bis halbe Stunde ans Netz. Während ich auf dem Tablet die letzte Twitterrunde vor dem Einschlafen mache, ist das Handy dann wieder optimal geladen.

Die mitgelieferte MIUI-Oberfläche habe ich mir gar nicht erst groß angesehen, sondern direkt den Nova Launcher Prime installiert, der dank eines kleinen Zusatz-APKs jetzt auch Google Now-Integration bietet. Xiaomi bietet in seinem eigenen Cloud-Dienst 5 GB kostenlosen Speicher, der durch diverse Apps wie Kamera oder Scanner genutzt werden kann. Da ich aber eher im Google-/OneDrive-/Flickr-Universum zuhause bin, nutze ich die Mi-Cloud überhaupt nicht.

Was die Geschwindigkeit des Gerätes an sich angeht, ist es für mich eine Offenbarung. Ich bin kein Fan von Benchmarks und nackten Zahlen; für mich ist wichtig, dass das Gerät flüssig läuft. Und das tut es! Installieren und Starten von Apps geht blitzschnell und auch der Wechsel von einer App in die andere geht ohne jegliches Ruckeln. Gerade solche Apps wie Instagram oder Deezer, bei deren Nutzung man meinem alten Motorola sein Alter anmerken konnte (…), laufen auf einmal absolut flüssig. In der Hinsicht hat sich der Kauf schon mal echt gelohnt. Laut Testberichten sollen auch die aufwändigsten 3D-Spiele absolut flüssig laufen. Mein kleiner Test mit “Restless Racing 3” kann das bestätigen. Auch das Verbinden mit WLANs geht wesentlich schneller. Bei uns haben wir jeweils im Erd- und Obergeschoss einen Router stehen. Der Wechsel von einem ins andere Netz muss zwar manuell angestoßen werden, erfolgt dann aber in weniger als zwei Sekunden. Top!

Ein wichtiger Punkt für mich bei einem Smartphone: die Kamera. Auch hier kann mich das Mi6 bis jetzt großteils überzeugen. Dank zweier Linsen ist es möglich einen echten optischen Zweifach-Zoom zu nutzen. Das macht sich in der Praxis ebenso gut wie der flotte Autofokus. Die systeminterne Kamera-App bietet einige Presets für Panorama-, Portrait- oder Nachtaufnahmen, was für meine Belange absolut ausreichend ist. Für alle anderen Aufgaben gibt es Apps wie etwa CameraMX. Wichtig für mich: die Kamera muss schnell zur Verfügung stehen. Und tatsächlich: ein doppelter Druck auf den Leiser-Button und schon ist die Kamera schussbereit. Geht fix und liefert gute Bilder.

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Ein weiteres Problem ist mit dem neuen Handy gelöst: was war es früher nicht schwer einen Screenshot zu machen! Beim Motorola musste ich dazu zeitgleich die Home- und Power-Taste drücken, beim Mi6 reicht es, einfach mit drei Fingern gleichzeitig von oben nach unten über den Screen zu wischen. Praktisch.

In den Einstellungen hat Xiaomi noch einen drauf gelegt: hier kann man wesentlich mehr Optionen wählen als in meinem Vorgänger-Phone. Hier habe ich vor lauter Vielfalt auch meine bisher einzige Negativ-Erfahrung mit meinem neuen Begleiter gemacht. Neben einem allgemeinen Energiespar-Modus gibt es noch einen Xiaomi-eigenen Energiespar-Modus. Will heißen: auch wenn die normale Option “Energiesparmodus” nicht aktiv ist, werden viele Apps durch die Xiaomi-eigene Komponente in ihrem Energiehunger gebändigt. Gestern musste ich dann bei einer Radtour auf die harte Weise lernen, dass das GPS-Signal nur dann empfangen wird, wenn der Bildschirm an ist. Klar lässt sich das einstellen: einfach die Strava-App von den Xiaomi-eigenen Energiesparmaßnahmen ausnehmen. Muss man nur erst mal drauf kommen.

Bei meiner nächsten Radtour wird das Display eh die ganze Zeit an sein. Mal sehen wie sehr so eine Radtour dann am Akku zehrt. Aber auch hier sehr positiv: mit QuickCharge 3.0 ist das Gerät ratzfatz wieder voll. Da schließe ich es kurz vorm ins Bett gehen ans Netzteil an, komme nach dem Zähneputzen wieder aus dem Badezimmer und der Akku ist schon 15 % voller. Damit kann man leben.

Mein erstes grobes Fazit: der Kauf hat sich ebenso gelohnt wie die knapp drei Wochen Warten auf die Lieferung aus China. Auch wenn ich jetzt schon viele Apps installiert und ein paar GB an MP3s drauf habe, stehen mir von den 128 GB immer noch gut 90 GB zur Verfügung. Sagen wir mal so: das Xiaomi ist anscheinend echt recht zukunftssicher.

P.S.: ein kleines Manko, das in keinem Test fehlen darf gibt es auch noch. Das Xiaomi Mi6 unterstützt derzeit kein LTE-Band 20. In meiner bisherigen täglichen Praxis hatte ich persönlich damit aber noch keine Probleme.

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