Filmkritik: „The Visit“

Da haben sich die beiden Geschwister Becca und Tyler ja auf etwas eingelassen: während ihre Mutter mit ihrem neuen Freund eine Woche auf Kreuzfahrt geht, wollen sie erstmals ihre Großeltern besuchen. In ihrer Jugend hat sich ihre Mutter dermaßen mit ihren Eltern zerstritten, dass über viele Jahre kein Kontakt bestand und das Thema “Großeltern” ewig ein Tabu-Thema war.

Schon kurz nachdem die beiden bei den Großeltern ankommen, bemerken sie einige ungewöhnliche Macken an den älteren Herrschaften. Während Großmutter nachts schlafwandelnd gegen Wände knallt und tagsüber im Matsch unter der Veranda herumkriecht, treibt es Großvater täglich zu einem mysteriösen Schuppen. Doch immer wenn er dort wieder herauskommt, reagiert er nicht auf die Rufe seines Enkels. Kurz gesagt: “Was ist da los?”

M. Night Shyamalan galt ja anfangs nach Filmen wie “The Sixth Sense” oder “The Village” als ein echter Hoffnungsträger, bis Filme wie “Das Mädchen aus dem Wasser”, “The Happening” oder “Die Legende von Aang” ihn vom Glanze des Film-Wunderkindes befreiten. Mit “The Visit” kann er aber wieder eine seiner großen Qualitäten mächtig ausspielen: das Erzeugen von unheimlichen Momenten. Ich sage nur “I see dead people”…

Nach einer recht kurzen Exposition geht der Film auch schon recht schnell zur Sache. Kaum bei den Großeltern angekommen zeigen diese – allein schon durch Blicke und Mimik – ein unheimliches Verhalten, das im Lauf des Films nicht besser wird. Zwar sind solche Effekte wie das nächtliche Klopfen an der Kinderzimmertür nicht wirklich neu, Shyamalan weiß sie dennoch effektvoll in Szene zu setzen.

Besonders gelungen fand ich hier den Ansatz der Mockumentary. Becca ist filmbegeistert und hält quasi ihr ganzes Leben in einer Art Video-Tagebuch fest. Natürlich hat auch ihr Bruder des öfteren mal eine Kamera in der Hand. Hierdurch wird erstaunlich viel Authentizität erzeugt. Noch erstaunlicher: die typische Wackelei der Kamera beschränkt sich auf ein Minimum und lenkt nicht von der Handlung ab.

Noch eine Überraschung: auch wenn das Unheimliche hier häufig eine mystische Anmutung hat – und man es von diesem Regisseur nicht anders gewohnt ist – bleibt die Handlung und der letztliche Twist doch sehr irdisch. Hier steigen keine Dämonen mit glühenden Augen die Kellertreppe hoch. Genau das macht diesen Film aber eben auch so effektvoll.

Ich will nicht sagen, dass die Hose voll war, aber im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres hat er mich durch seine dichte Atmosphäre doch schon ziemlich gepackt.

Wertung: 4/5

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