Serienkritik: „Bosch“, Staffel 1

Detective Bosch ist ein Kerl mit Ecken und Kanten, der immer kurz davor steht, entlassen zu werden. Dumm nur, dass er auch das beste PFerd im Stall des L.A. Police Department ist. Denn gerade wenn es darum geht die kniffligen Fälle zu lösen, sei es ein 30 Jahre alter Mordfall oder ein aktuell sehr umtriebiger Serienkiller, stehen seine Fähigkeiten als erfahrene Spürnase hoch im Kurs – auch wenn das seinen Vorgesetzten so gar nicht schmeckt. Seine Situation verbessert sich auch nicht dadurch, dass er etwas mit einer Kollegin anfängt…

Für mich eine gelungene Abwechslung vom üblichen Krimi- und Action-Einerlei. Es war wohl mal wieder Zeit für eine Krimiserie, bei der die Ermittlungsarbeit im Mittelpunkt steht und keine andauernden Schießereien. Hauptdarsteller Titus Welliver, bekannt als Oberstaatsanwalt Glenn Childs in “The Good Wife”, ist ein Ermittler in den besten Jahren. Er verfügt zwar auch über eine anständige Kondition, fällt also nicht in die “Columbo-Schublade” der komplett unsportlichen  Ermittler; im Normalfall verlässt er sich aber lieber auf seine Intuition als auf seine Physis.

Dass Bosch tatsächlich der alleinige Mittelpunkt der Serie ist, lässt schon der Serientitel vermuten. Natürlich gibt es hier und da kleine Nebenschauplätze. So hat etwa der Erfolg der aktuellen Ermittlungen auch mittelbar eine Auswirkung auf die anstehenden Bürgermeisterwahlen, manch einer macht sich Hoffnungen auf das Amt des künftigen Polizeichefs. Auch der Beziehung zu seiner Ex-Frau und der gemeinsamen Tochter, die jetzt beide in Las Vegas leben, nimmt ein wenig Platz ein. Die Romanze mit der Arbeitskollegin wird letztlich nur zum Stichwortgeber, um Boschs Loyalität eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Aber diese Konflikte spielen sich alle sehr am Rande ab, Hauptanteil an der Serie hat die echte Ermittlungsarbeit.

Entsprechend unaufgeregt sind auch Kamera und Musik. Die allseits beliebte Wackel-Kamera kommt nur selten zum Einsatz, es überwiegen die ruhigen Dialogszenen und langen Einstellungen. Boschs Vorliebe auf ruhige Jazz-Musik setzt bei der musikalischen Untermalung natürlich schöne Akzente. Wenn er grübelnd im Dunkel seines Hauses auf den Hügeln Hollywoods auf die Lichter der Großstadt hinab schaut und im Hintergrund Art Pepper behutsam mit dem Saxophon säuselt – hat schon was.

Unerwähnt sollte auch nicht bleiben, dass in den zehn Folgen der ersten Staffel die Suche nach dem Serienmörder im Vordergrund steht. Sie streckt sich über alle Folgen und wird durch ein paar kleine Fälle nebenbei ergänzt. Eine Folge zu verpassen wäre da schon schlecht; dafür läuft “Bosch” aber auf Amazon Video. Da was zu verpassen wird schon schwer.

Mir hat “Bosch” mit seiner Unaufgeregtheit sehr gut gefallen. Keine Hektik, kein Szenengewitter mit schnellen Schnitten, wie man es heute gewohnt ist. Durchaus eine Empfehlung wert.

Wertung: 3,5/5

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