Die EVI-Lichtungen 2020

Hildesheim hat ein Highlight, das diesem Namen tatsächlich alle Ehre macht: die Lichtungen. Unter der Schirmherrschaft des regionalen Energieversorgers EVI wird alle zwei Jahre die Hildesheimer Innenstadt zum Showroom für internationale Lichtinstallationen.
Am vergangenen Wochenende war es mal wieder so weit. Da mir die Lichtungen im Jahr 2018 sehr gut gefallen haben, hatte ich mich schon Monate lang darauf gefreut. Wie gut es sich gepasst hat, dass sich Phil für das Wochenende bei uns angemeldet hatte und ich ihn vom Bahnhof abholen wollte.

Bereits dort wurde man auf die ersten Exponate aufmerksam: direkt vor dem Ausgang zur Stadt hin stand ein altes Auto, dessen Innenleben mystisch beleuchtet wurde. Nur wenige Meter weiter wurde eine Unterführung extra dafür abgesperrt, um dort weitere Autos zu illuminieren. Denken Sie sich hier bitte im Hintergrund die Musik von „Akte X“:


Danach ging es dann in die Andreaskirche, die vor zwei Jahren mein absolutes Highlight gewesen ist. Seinerzeit wurde ein Sternenhimmel an die Decke projiziert, während die Trägerelemente der Decke hell erleuchtet wurden. Es wirkte, als wenn man in einer Kirchenruine in den Himmel schaut.

Auch in diesem Jahr war dieser Ort wieder mein absolutes Highlight. Diesmal wirkte es zwar eher wie eine Art Lasershow, wie ich sie aus alten Cinestar-Tagen kenne. Aber dank der spärischen Musik, die mit ordentlichen Bässen fast furchteinflößend wirkte, wurde aus dem Tanz der Scheinwerfer ein imposantes Schauspiel. Die Darbietung ging etwa 5 Minuten, bevor die Kirche in ein ebenso tolles oranges Licht gehüllt wurde, um dann die Vorstellung von vorne zu beginnen.

Vor zwei Jahren waren die historischen Fassaden am  Marktplatz Hildesheims über und über mit Projektionen versehen. In diesem Jahr war alles ein wenig beschaulicher. Es wurden Bilder einer Ballerina auf den Platz projiziert, die man aber eigentlich gar nicht richtig sehen konnte. Erst wenn man die dort ausgegebenen A3-großen Plastikplatten davor hält, konnte man Teile des Kunstwerkes erkennen. Spannend: es fanden sich Gruppen von Menschen, die ihre Platten aneinander gehalten haben, damit eine größere Fläche des Bildes zu sehen war.

Wenn man ganz genau hinschaute, konnte man auf der Fassade des Rathauses den großen Kopf der Ballerina erkennen, der direkt vor der Kamera zu stehen schien:

Weiter ging es zum Dom. Da ich überhaupt keinen Plan hatte, wo welche Werke zu besichtigen sind, haben wir unsere Chance verpasst, uns im Dom einige kleinere Einzelstücke anzuschauen. Stattdessen waren wir von einem Nachbargebäude fasziniert, dessen Fassade sich aufzulösen schien.

Kurze Zeit später wurden dann Erinnerungen an „Matrix“ wach. Alles wirkte wie eine Illusion, die sich der Realität widersetzt.

Zu guter Letzt führte uns unser Weg zur Michaeliskirche, die mit ihrem großen Innenraum auch noch einmal etwas Gigantisches versprach (in etwa so wie 2018). Leider haben wir uns zu früh gefreut: in der Kirche waren mehr als ein Dutzend Röhrenfernseher aufgestellt, auf denen man die Meeresbrandung an einem Strand erkennen konnte. Anscheinend haben nicht gerade viele Besucher Zugang zu diesem Werk gefunden. Schade, da hätte ich mir mehr erwartet.

Alles in allem wurden die Exponate, die wir gesehen haben, nicht meinen hohen Erwartungen gerecht. Dennoch gab es einen Moment, den ich nicht missen möchte: als wir in der Andreaskirche dem Spiel der Scheinwerfer zusahen, habe ich meine Augen geschlossen und daran gedacht, dass ich noch vor einigen Wochen nicht sicher war, ob ich hier und heute dabei sein könnte – in dem halbwegs guten Gesundheitszustand. Allein der Gedanke hat mich mit den Lichtungen schnell wieder versöhnt.

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