Rom-Tagebuch, Tag 4 – Essen, essen, essen!

Der Montag begann mit etwas Programm: auf dem Plan stand eine kulinarische Stadtführung, bei der uns eine Römerin mal zeigt, wie die Römer denn so essen. Wie es bei mir so üblich ist, waren wir eine ganze Ecke vor der vereinbarten Zeit am Campo de’ Fiori, unserem Treffpunkt. So hatten wir Gelegenheit, gleich ein wenig mit Alessandra zu sprechen.

Wichtigster Fakt, den wir nach nur wenigen Tagen in Rom gleich nachvollziehen konnten: sie hat unter anderem ein Jahr Germanistik in Köln studiert und was sie am meisten aus Rom vermisst hat: den Büffel-Mozzarella. Mehr dazu später.

Aus unserer Erfahrung heraus, die wir bei einer kulinarischen Stadtführung in Lübeck gemacht haben, bin ich davon ausgegangen, dass wir vermutlich eher die jüngsten sein werden. Stellt sich heraus: wir waren die ältesten. Die anderen Teilnehmer waren zwei Pärchen aus Bayern, allesamt Anfang/Mitte zwanzig. Insgesamt also nur sechs Teilnehmer in einer lockeren Gruppe, die den Tag über viel Spaß hatte – und leckeres Essen!

Das wuselige Treiben auf dem Campo de Fiori

Angefangen hat unser kleiner Stadtrundgang natürlich auf dem Campo De’ Fiori, einem der bekanntesten Märkte der Stadt. Während der Markt bei uns um die Ecke (bei dem wir die leckeren Mini-Pulpo gekauft hatten) eher wirklich für die Grundversorgung mit Lebensmitteln geeignet ist, gibt es auf dem Campo di Fiori auch so ein paar Sachen, die man beim anderen Markt nicht bekommen hat (oder ich habe zumindest nicht drauf geachtet). Beispielsweise Unmengen an Limoncello, diverse Öle und Espressokännchen. Alles sah super lecker aus und die roten, prallen Erdbeeren, die ich noch nie in einer solchen Größe gesehen hatte, sorgten für viel Erstaunen bei mir.

Kalenderblatt-Motive
Limoncello – All you can drink
Welches Öl hätten’s denn gern?

Mein persönliches Highlight war der Charme der italienischen Männer, an deren Ständen wir vorbeigegangen sind. Unsere Stadtführerin war wohlbekannt und bekam überall das typisch italienische Augenzwinkern als kleinen Willkommensgruß. Dean Martin lässt grüßen…

Nachdem wir den Marktplatz in aller Ruhe durchstöbert hatten und schon viel über die diversen Gemüse und Salate der Römer gelernt hatten, ging es in das Delikatessen-Geschäft Ruggeri. Ein Ort wie das Paradies: auch hier hing der Himmel voller Schinken.

Welcome to paradise!

In diesem alteingesessenen Familienbetrieb gibt es Fleisch- und Käse-Spezialitäten feinster Güte. Die haben zwar alle ihren Preis, werden aber vermutlich auch alle für echte Geschmacksexplosionen im Mund sorgen. Nachdem wir ein wenig die Auslagen durchstöbert hatten, wurden wir in einen separaten Verköstigungsraum mit Stehtischen geführt und bekamen richtig, richtig gute Büffel-Mozarella und ein leckeres Stück Salami. Und wie das eben so ist: wenn es nicht in Massen verfügbar ist, achte ich umso mehr auf den Geschmack. Hat sich gelohnt.

Eine Auswahl feinster Käse- und Salamispezialitäten

Danach ging es weiter, fünf Gehminuten später standen wir schon bei einem Bäcker vor der Tür: Antico Forno Riscioli. In Rom ist es Gang und Gäbe, dass man seine Pizza beim Bäcker kauft. Von einem Kollegen, der vor einiger Zeit in Rom war wurde ich schon vorgewarnt: “Da ist dann so ein Pizzastand und da steht was von 5,- €. Denkste: hui, für eine ganze Pizza schön günstig. Kaum bestellt wiegt der Bäcker auf einmal die Pizza ab. Tatsächlich waren das 5,- € je 100 Gramm!”. Tatsächlich werden die Pizzen dort nicht unbedingt rund hergestellt (zumindest nicht beim Bäcker), sondern quasi als “laufender Meter”. Man sagt, wie viel man haben möchte und die Menge wird dann abgewogen.

Pizza als Meterware. Yay!

Wobei ich alles in allem sagen muss, dass die Pizza in Rom zumeist nicht teurer war als in Deutschland. Kommt ja quasi von da, ist ja sowas wie Factory Outlet…

Zuerst haben wir eine Pizza Bianca mit Mortadella. “Bianca” heißt auf deutsch “weiß”, entsprechend unüblich sah die Pizza aus. Anstatt den Belag auf die Pizza zu machen wir üblich, wurde die Mortadella in die Pizza hineingelegt, erinnerte ein wenig in der Art an einen Döner, nur eben mit Mortadella und ohne jeglichen Salat. Knusprig frischer Teig und eine herzhafte Mortadella sorgten für das nächste Geschmackserlebnis.

Anschließend gab es die Pizza mit Historie: die Pizza Margherita. Woher die Pizza ihren Namen hatte? Von der Gattin des italienischen Königs, die sich weit vor Lieferando schon im Jahre 1889 eine Pizza liefern lassen wollte. Der königliche Pizza-Bäcker Raffaele Esposito kreierte drei Pizzen, von denen eben die Pizza Margherita eben jener Königin Margarethe von Italien am besten. Da sie eine glühende Nationalistin war, gefiel ich auch noch eine andere Eigenschaft der Pizza: Tomaten, Mozarella und Basilikum verliehen der Pizza die Farben der italienischen Flagge. Fein, aber mir hätte sie auch so geschmeckt.

Es gab auch andere leckere Sachen… Leider nur zur Ansicht für uns.

Unser Weg führte uns weiter in das nahe gelegene jüdische Viertel. Hier ließen wir uns im “Baghetto Milky” nieder, um so richtig, richtige römische Spezialitäten zu probieren. Pizza ist ja eher so’n Italien-Ding, aber bei Milky gab es das typisch römische Suppli und außerdem frittierte Zucchiniblüte, gefüllt mit Sardellen. Suppli sind quasi gepimpte Reisbällchen, wie man sie vom Griechen als Beilage kennt. Reis mit Tomate, hier jedoch gefüllt mit Mozzarella und anschließend paniert und frittiert. Die typisch römische Vorspeise, die ich dann während unseres Aufenthaltes auch so noch mal gegessen habe. Auch die Zucchiniblüten haben super geschmeckt, mit einem sehr intensiven Fischgeschmack. Genuss pur!

Frittierte Zucchiniblüten und Suppli

Unser Spaziergang führte uns dann weiter, vorbei an der zweitgrößten Synagoge Europas, über den Tiber und die Tiberinsel hin in das Viertel Trastevere. Dafür, dass es dort mit das beste Essen in Rom geben soll, hatten wir uns nach unserer Stadtführung viel zu wenig mit dem Viertel beschäftigt. Nun ging es aber erst einmal in ein RIstorante: “”Sette Oche in Altalena”. Eines der wichtigsten Nahrungsmittel Italiens stand noch aus: Pasta! Hier hatten wir die Auswahl an verschiedenen Sorten und da ich es gerne wirklich römisch haben wollte, habe ich mich für Spaghetti Cacio E Pepe entschieden. Spaghetti mit Pecorino-Käse und Pfeffer. Dazu noch ein Hauch Olivenöl – fertig. So einfach kann Genuss sein. Noch so ein Mitbringsel, das es auch zuhause häufiger mal auf den Tisch des Hauses schaffen wird (wobei mein erster Versuch noch nicht von Erfolg gekrönt war, fragt nicht…).

Penne Cacio e Pepe – harte Liebe!

Eins kann man wirklich nicht sagen: dass nach dieser kulinarischen Stadtführung noch irgendjemand Hunger gehabt hätte. Häufig gingen die Teller ganz zwanglos hin und her. Jeder, der noch mochte, konnte sich nehmen. Ich war ja leider in der “glücklichen” Lage, dass ich viele Sachen doppelt essen konnte, da Michi ja kein Gluten essen kann. Hier im Ristorante gab es aber glutenfreie Pasta. Alles in allem war die Führung ähnlich einem Essen in einem Sterne-Restaurant: man denkt immer “Och, das ist jetzt aber gar nicht so viel auf dem Teller” und letztlich ist man nach all den Gängen dann doch pappsatt. Und wie schon erwähnt achte zumindest ich noch mal ein wenig mehr auf den Geschmack, wenn ich weiß, dass der Genuss begrenzt ist.

Aber eine goldene Regel, die in Deutschland gilt, gilt auch in Rom: Eis geht immer! Und so gab es zum Abschluss noch mal ein leckeres italienisches Eis, das zwar sehr gut, aber doch nicht ganz so gut war wie das von Signore Fassi.

Für so einen ausgewachsenen Kerl schon ein wenig lütt…;-)

Fazit: unsere Stadtführerin Alessandra war sehr sympathisch, hatte keinen festen Stiefel, den sie uns einfach nur so herunter erzählt hat, sondern hat viel und gut improvisiert und unsere Nachfragen auch sehr gut beantwortet. Essenstechnisch war alles von der Qualität her Top of the Pops, so dass ich den Preis von gut 70,- € p. P. durchaus als gerechtfertigt ansehe. Die kleine Gruppengröße hat sich natürlich auch positiv bemerkbar gemacht.

Nachdem wir nun schon im Stadtteil Trastevere waren, wollte ich unbedingt noch mal zum “Il Gianicolo” gehen. Laut Alessandra ist das der Ort in Rom, in der angeblich 80% aller Paare ihren ersten Kuss hatten. Aber: was für den ersten Kuss gut ist, kann doch für einen Kuss nach vier Jahren Beziehung auch nicht schlecht sein. Einziger Haken: der Ort ist so beliebt, weil einem von dort Rom zu Füßen liegt. Toll. Aber dafür muss man eben auch erst mal ordentlich Treppen steigen…

Mit gut gefülltem Magen war das in der Hitze der Mittagszeit schon eine Herausforderung. Und obwohl ich diese irre Idee hatte, habe ich oben dann doch noch meinen Kuss von der Liebsten abstauben können. Der Groll über die Quälerei war schnell vergessen. Anschließend haben wir den Blick auf Rom genossen.

Ausblick auf Rom von Il Gianicolo aus

Anschließend ging es dann wieder zu unserer Homebase, die wir dann auch nicht mehr verlassen haben.

Zum Abendessen habe ich mir dann noch ein wenig original italienische Küche gegönnt…

 

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